www.buergertreff-altonanord.de

StartseiteGrundlagenQualitäten

Anforderungen an Beteiligungsprozesse

Hochwertige Beteiligungsverfahren sind an inhaltlicher und verfahrensbezogener Qualität ihrer (Kommunikations-)Prozesse zu erkennen. Als wichtiger Maßstab kann immer gelten, was sie inhaltlich zu vertretbaren Entscheidungen beizutragen vermögen. Aber nicht nur Sachergebnisse, auch Prozessergebnisse wie Zufriedenheit, Zusammenhalt o. ä. können Erfolge ausmachen.

Folgende Faktoren wirken sich auf die Qualität aus:

Kompetenz: Allen Beteiligten ist eine vollständige und leicht zugängliche Informationsbasis in verständlicher Form gestellt. Von Beginn an sind äußere Vorgaben, Problemstellung, Ziele, Rollenverteilung, verfügbare Ressourcen sowie Entscheidungsabläufe transparent. Es ist vereinbart, wofür und wie die Arbeitsergebnisse verwendet werden. Die Kommunikation nimmt auf die Wahrnehmungsweisen der Akteure Bezug und gibt ihnen Gelegenheit, sich auszutauschen und Interessen zu formulieren. (1) (Zwischen-)Ergebnisse sind dokumentiert.

Fairness: Alle Standpunkte finden Gehör, die Teilnehmer werden gleich behandelt und ihre Rechte respektvoll anerkannt. Die Moderation ist neutral und ihr Vorgehen nachvollziehbar, Entscheidungen sind sorgsam begründet. Beteiligte haben Chancen, Einfluss zu nehmen, falls sich im Verlauf Sachänderungen ergeben oder der Prozess als ungerecht erlebt wird. (2)

Nutzen für alle Seiten: Die Umwandlung „von Nullsummenkonflikten in Positivsummenkonflikte“ bedeutet, dass kein Akteur auf Kosten der anderen „gewinnt“, sondern alle gewissen Nutzen erzielen. Kommen Kompromisse nicht zu Stande, wird alternativ die Balance evtl. auch durch Kompensation außerhalb des Diskussionsgegenstandes (Ausgleichsmaßnahmen, anderweitige Einflusschancen) erreicht. (3)

Ergebnis- und Prozessoffenheit: Mit Problemdefinitionen, Zielbestimmungen und Optionenfestlegungen werden im frühen Stadium bereits Weichen gestellt und ggf. auch Sachzwänge geschaffen. Zu diesem Zeitpunkt fehlt aber oft noch „partizipationsauslösende" persönliche Betroffenheit. Daher sind frühzeitig die Fragestellung und mögliche Konsequenzen sprachlich einfach und anschaulich zu vermitteln. Im Idealfall werden in einem „iterativen“ Verfahren Ablaufschritte mehrfach durchlaufen, wobei die gemachten Erfahrungen einbezogen werden – ein offener Lernprozess für alle Mitwirkenden. (4)

Selektion berücksichtigen: Beteiligungsangebote wirken immer sozial selektiv und sprechen verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark an. Vor allem, wenn auch nichtorganisierte oder wenig artikulationsgeübte Personen einbezogen werden sollen, sind als Ausgleich zusätzliche unterstützende oder aktivierende Angebote eingerichtet wie zum Beispiel Übersetzer, Kinderbetreuung, Sprechstunden, Anwaltsplaner o. a. (5)

Einbindung in Entscheidungsprozesse:Praxistaugliche“ Beteiligungsverfahren sind von Ablauf und Struktur her auf übergeordnete Entscheidungswege und ggf. gesetzliche Fristen abgestimmt. Zeitdruck der Entscheider und die begrenzten Zeitressourcen der Akteure sind berücksichtigt und somit ausreichende Freiräume für einen offenen Diskurs gesichert. (6)

Kooperative Arbeitsweise: Teilnehmer erhalten Freiräume, ihre Kompetenzen einzubringen und den Prozess verantwortlich mitzugestalten. Kommunikation und Motivation fördernde Elemente wie Anerkennung, Gemeinschaftsaktivitäten, sichtbar machen von (Zwischen-)ergebnissen u. ä. sind einbezogen.



Beteiligung ist kein Selbstzweck und bringt nicht automatisch bessere Ergebnisse hervor als Nicht-Partizipation. Kooperation funktioniert nur, wenn alle Seiten die Bereitschaft zum Lernen mitbringen.

Wo z. B. Behörden nicht bereit sind, sich auf das Risiko eines offenen Prozesses einzulassen, ist besser „... auf die Teilnahme der Bevölkerung grundsätzlich zu verzichten.“ (7)

_______________

(1) vgl. Selle 2000, S. 202
(2) vgl. Fischer 2003, S. 37f
(3) vgl. Linder, Vatter 1996, S. 187
(4) vgl. Linder, Vatter 1996, S. 184
(5) vgl. Selle 2000, S. 203f
(6) vgl. Linder, Vatter 1996, S. 187f
(7) Vatter et al. 1992, S. 37, zit. aus Selle 2000, S. 204
 
  zum Literaturverzeichnis ...  


KontaktImpressumSitemap